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Besteuerung von Druckerzeugnissen

Besteuerung von Druckerzeugnissen

Wann bezahlt ein Kunde eigentlich mit welchem Umsatzsteuersatz?

Diese Frage taucht immer wieder auf. An dieser Stelle sollen ein paar Erklärungen dazu geliefert werden – allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Denn – wie so oft bei steuerrechtlichen Dingen – liegt der Teufel im Detail. In manchen Fällen lohnt es wohl, sich juristischen Rat einzuholen.

Für Druckerzeugnisse kommen ganz allgemein sowohl der volle Steuersatz (19 Prozent) als auch der ermäßigte Satz (7 Prozent) in Betracht.

Der ermäßigte Steuersatz wird in der Regel auf folgende Produkte erhoben: Bücher, Broschüren, Zeitschriften, Zeitungen, Fotobücher, Bilderbücher, Malbücher, Noten und Karten.

Der volle Steuersatz gilt bei Produkten, die in erster Linie der Werbung dienen: Werbeplakate, -prospekte, Verkaufskataloge oder Kundenzeitschriften. Dazu zählen auch Produkte, die für ein Wirtschaftsunternehmen zu Werbezwecken herausgegeben werden, auch wenn das Gedruckte nicht unmittelbar der Werbung dient.

Juristische Personen mit hoheitlichen Aufgaben – etwa mit Lehrauftrag (VHS, Hochschulen) – sind davon ausgenommen. Liegt ein sogenannter Körperschaftsteuerfreistellungsbescheid vor, gilt dieser als Anerkennung als Nicht-Wirtschaftsunternehmen.

Außerdem wird der volle Satz auf Druckerzeugnisse geschlagen, die keinen oder kaum Text enthalten. Dies sind beispielsweise: Formulare, Briefbogen, Notizbücher, Briefmarkenalben, Postkarten, Glückwunschkarten, Kalender,  Aufkleber, Bilddrucke, Einladungen, Tickets, Ausweise.

Ebenso muss auf elektronische Publikationen der volle Satz erhoben werden: CD-ROM, Disketten, Online-Veröffentlichungen, Kassetten.Eine Ausnahme hierfür können Kombiprodukte sein, bei denen ein Produkt mit ermäßigtem Umsatzsteuersatz (z. B. eine Zeitschrift) und ein Produkt mit vollem Steuersatz (z. B. eine CD-ROM) zusammen verkauft werden.

Hierbei kommt es darauf an, welcher Teil dem Produkt seinen Stempel aufdrückt, also auch ohne das andere Produkt verkauft werden könnte. So ist etwa ein Buch charakterbestimmend, wenn es einen höheren Wert als die CD hat und ohne sie genutzt werden kann, die CD aber lediglich als Ergänzung des Buches dient. In diesem Fall gilt der ermäßigte Steuersatz.

Liegt einer CD-ROM allerdings nur ein Druckerzeugnis zur Erklärung (etwa als Inhaltsangabe oder Gebrauchsanweisung) bei, ist das elektronische Medium charakterbestimmend. Hier gilt der volle Umsatzsteuersatz.

Könnten beide Produkte getrennt voneinander verkauft werden, ist keines bestimmend. In so einem Fall muss der Verkaufspreis für das Druckerzeugnis ermäßigt besteuert werden, der Teil für das elektronische Produkt voll.

 

Neben diesen Unterscheidungskriterien wird der Steuersatz von der Auftragsart sowie Beistellungen bestimmt.

Handelt es sich um eine Werklieferung, gilt für oben aufgeführte Produkte der ermäßigte Steuersatz. Handelt es sich lediglich um eine Werkleistung, muss der volle Steuersatz verwendet werden. Stellt ein Kunde beispielsweise das Papier (oder auch andere Materialien, die später im fertigen Produkt enthalten sind), wird voll besteuert. Die Lieferung von Manuskripten oder des fertigen Satzes gelten nicht als Beistellung.

Werden die Aufträge zum Drucken und Binden des Produkts getrennt, fällt auch eine unterschiedliche Besteuerung an. Die Lieferung der Rohdruckbogen ist steuerermäßigt. Das Binden der Bücher ist nicht begünstigt, es wird der volle Steuersatz erhoben. Vergibt allerdings der Drucker selbst die Bindearbeiten an einen Buchbinder, so richtet sich die Besteuerung nach der Art des Produktes (s. oben). Der Steuersatz für das Binden ist in diesem Falle für den Steuersatz des vom Drucker gelieferten Erzeugnisses unerheblich.

Die Besteuerung von Nebenleistungen (Transport, Versicherung, Verpackung des Produkts) richtet sich nach der Besteuerung des Druckerzeugnisses.  Die richtige Besteuerung der Produkte ist für alle Kunden sowie den Drucker wichtig. Für Kunden, die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, stellt die Umsatzsteuer Kosten dar. Solche Kunden sind etwa Kommunen, Land oder Bund sowie gemeinnützige oder kirchliche Organisationen, Banken, Versicherungen, Vereine, Verbände und Privatpersonen. Kunden, die zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, sind ebenfalls auf die korrekte Besteuerung angewiesen. Denn ihr Steuerabzug ist auf die tatsächliche Schuld begrenzt, ganz egal, wie hoch der ausgewiesene Betrag auf der Rechnung ist. Wird also fälschlicherweise der volle statt des ermäßigten Steuersatzes berechnet, darf der Kunde trotzdem nur den ermäßigten absetzen.

Für die Druckerei ist die korrekte Ausweisung des Umsatzsteuersatzes ebenfalls von Bedeutung. Wird er irrtümlich voll berechnet, riskiert das Unternehmen Reklamationen und Rechnungskorrekturen. Erhebt die Druckerei fälschlicherweise den ermäßigten Satz, muss sie mit Nachforderungen durch den Fiskus rechnen. Ob diese an den Auftraggeber weitergereicht werden können, ist vom jeweiligen Vertrag abhängig.

 

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Weitere Informationen zum Thema „Zolltarifauskunft für Steuerzwecke“ finden Sie auf der Seite des Zolls unter folgendem Link: weiter…

2 comments
  • Hi,

    der Post hat mir bereits zur Einschätzung meiner Fragestellung geholfen. Ich möchte nämlich herausfinden welcher Steuersatz für ein Produkt gilt, das wir in Deutschland einführen wollen: Ein Kindermagazin mit verschiedenen Aktivitäten und einer Anleitung sowie Bastelmaterial, dass mitgeliefert wird.

    Mir scheint, das oben genannte Beispiel mit der CD-ROM und dem separat nutzbaren Buch ist mit meinem Fall vergleichbar.

    Habt ihr vielleicht ein paar Quellen wo ich das Nachlesen kann? Beim Googeln kommen alle möglichen Treffer, allerdings keine sieht nach etwas „hochoffiziellem“ aus.

    Danke und viele Grüße,
    Uta

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